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Beitrag Wildkräuter im Herbst erkennen, sammeln und verwenden

Wildkräuter im Herbst erkennen, sammeln und verwenden

Der Herbst ist eine oft unterschätzte Zeit zum Sammeln von Wild- und Heilkräutern. Während viele Pflanzen sich bereits auf den Winter vorbereiten, speichern sie jetzt ihre wertvollen Inhaltsstoffe in Wurzeln, Samen und Blättern. Für Selbstversorger*innen und naturverbundene Menschen bietet diese Jahreszeit die Möglichkeit, die heimische Vorratskammer mit wertvollen Kräutern für Küche und Hausapotheke zu füllen. Dieser Beitrag gibt einen Überblick darüber, welche Kräuter im Herbst gesammelt werden können, worauf beim Sammeln zu achten ist und wie man die Pflanzen sinnvoll verarbeitet und lagert.

Welche Wildkräuter im Herbst gesammelt werden können

Mit dem Ende des Sommers gehen viele Menschen davon aus, dass auch die Sammelzeit für Wildkräuter vorüber ist. Tatsächlich ist jedoch der Herbst eine besonders geeignete Jahreszeit, um bestimmte Kräuter zu ernten. In dieser Phase verlagern viele Pflanzen ihre Energie in die Wurzeln oder bilden Samen aus, wodurch die Konzentration wichtiger Inhaltsstoffe wie ätherischer Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe und sekundärer Pflanzenstoffe besonders hoch ist. Diese Stoffe machen die Kräuter nicht nur aromatisch, sondern auch aus medizinischer Sicht wertvoll.

Im Folgenden einige typische Wildkräuter und Pflanzenteile, die im Herbst gesammelt werden können:

  • Acker-Minze: In feuchten Gebieten findet man auch im Herbst noch kräftig duftende Minzearten. Sie eignen sich hervorragend für Tees, als Gewürz oder zur Herstellung von Ölauszügen. Die ätherischen Öle wirken krampflösend und erfrischend.
  • Brennnessel: Auch wenn die Blätter im Frühjahr besonders zart sind, können im Herbst die nahrhaften Samen geerntet werden. Sie enthalten Proteine, Fettsäuren und Mineralstoffe und gelten als stärkendes Mittel bei Erschöpfung und für die Regeneration.
  • Gundermann: Diese bodendeckende, kriechende Pflanze ist das ganze Jahr über sichtbar. Ihre aromatischen Blätter und Triebe sind reich an Gerbstoffen und Flavonoiden und werden vor allem bei Erkältungen, Husten und zur Stärkung der Schleimhäute verwendet.
  • Kleinblütiges Knopfkraut: Auch bekannt als „Franzosenkraut“. Diese Pflanze breitet sich rasch aus und ist nahezu ganzjährig zu finden. Die zarten Blätter schmecken mild und lassen sich wie Petersilie verwenden – roh in Salaten oder warm in Gemüsegerichten.
  • Pfennigkraut: Das kriechende, bodennahe Kraut mit den runden Blättern wird häufig übersehen, ist aber essbar und bietet eine leicht säuerliche Note. Es kann in kleinen Mengen frisch in Salaten verwendet oder in Wildkräuterpfannkuchen eingearbeitet werden.
  • Schafgarbe: Die feingliedrige Pflanze ist weit verbreitet und gut an ihrem filigranen Laub und den weißen Doldenblüten zu erkennen. Ihre Blätter können bis in den Herbst hinein gesammelt und für Teemischungen verwendet werden, die insbesondere bei Magen-Darm-Beschwerden hilfreich sind.
  • Vogelmiere: Diese zarte Pflanze mit ihren sternförmigen weißen Blüten wächst oft in dichten Teppichen und ist auch im Herbst noch zu finden. Ihre mild schmeckenden Blätter eignen sich hervorragend für Salate, Kräuterquark oder als feine Zugabe in Suppen.
  • Wegwarte: Die auffällige Pflanze mit ihren blauen Blüten wächst an Wegrändern und auf mageren Böden. Im Herbst kann die Wurzel ausgegraben, getrocknet und geröstet werden – sie wurde traditionell als koffeinfreier Kaffeeersatz genutzt. Zudem wirkt die Pflanze verdauungsfördernd und stoffwechselanregend.

Neben diesen Pflanzen sind auch die Samenstände von Kräutern wie Beifuß, Dost und Wilde Möhre interessant. Diese enthalten konzentrierte Wirkstoffe und können getrocknet und als Gewürz oder zur Teezubereitung genutzt werden. Besonders Beifuß hat eine lange Tradition als Verdauungshilfe und zur Unterstützung bei schweren Speisen.

Insgesamt zeigt sich: Der Herbst ist keineswegs das Ende der Wildkräuterzeit, sondern eine Phase, in der gezielt bestimmte Pflanzenteile mit hoher Wirkkraft geerntet werden können. Wer sich auskennt, kann jetzt die Grundlage für eine gesunde Versorgung im Winter schaffen.

Wildkräuter verantwortungsvoll sammeln 

Das Sammeln von Wildkräutern im Herbst ist nicht nur eine praktische Tätigkeit, sondern auch eine Möglichkeit, sich achtsam und respektvoll aus der Natur zu ernähren. Wer Wildpflanzen nutzen möchte, sollte sich bewusst sein, dass es sich um einen sensiblen Eingriff in ein Ökosystem handelt. Deshalb ist ein respektvoller Umgang mit der Umgebung ebenso wichtig wie das Wissen über Pflanzeninhalte und Verwechslungsgefahren.

Die richtige Ausrüstung für die Wildkräutersuche

Eine gut vorbereitete Ausrüstung erleichtert das Sammeln und sorgt gleichzeitig dafür, dass Pflanzenbestände geschont werden:

  • Korb oder Leinentasche: Naturmaterialien wie Weide oder Leinen lassen Luft zirkulieren und verhindern, dass frische Kräuter feucht werden und verderben. Plastik sollte vermieden werden.
  • Scharfes Messer oder Schere: Damit lassen sich Pflanzen gezielt und schonend ernten, ohne ganze Wurzelsysteme zu zerstören.
  • Bestimmungsbuch oder App: Unerlässlich für die korrekte Identifikation der Pflanzen. Apps mit Bildern und Standortdaten helfen auch unterwegs.
  • Handschuhe (optional): Besonders hilfreich beim Umgang mit Brennnesseln oder beim Ausgraben von Wurzeln.
  • Notizbuch, Kamera oder Handy (optional): Zum Dokumentieren von Funden oder Anlegen eines Herbariums.

Geeignete Sammelorte – fernab von Schadstoffen

Die Wahl des Standorts hat großen Einfluss auf die Qualität und Unbedenklichkeit der gesammelten Kräuter:

  • Straßenränder und Industriegebiete meiden: Dort sind Pflanzen oft mit Schadstoffen belastet.
  • Keine Sammelaktionen auf intensiv bewirtschafteten Flächen: Rückstände von Düngern oder Pestiziden sind möglich.
  • Schützenswerte Lebensräume respektieren: In Naturschutzgebieten ist das Sammeln meist untersagt oder stark reglementiert.

Nachhaltiges Verhalten beim Sammeln

Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur ist Grundvoraussetzung:

  • Nur sammeln, was man sicher bestimmen kann.
  • Nie komplette Pflanzenbestände abernten – immer genug zur Regeneration stehen lassen.
  • Nur in Mengen sammeln, die tatsächlich verarbeitet und verwendet werden.

Die Heilkraft des Herbstes konservieren

Die im Herbst gesammelten Wildkräuter enthalten besonders viele wertvolle Inhaltsstoffe. Damit diese Wirkstoffe nicht verloren gehen, ist eine sachgemäße Konservierung entscheidend. Je nach Pflanzenart und geplanter Verwendung gibt es unterschiedliche Methoden, um die Kräuter haltbar zu machen – sei es für die Hausapotheke, die Vorratskammer oder die tägliche Küche.

Trocknen – Die klassische Methode zur Vorratshaltung

Das Trocknen ist eine der ältesten und bewährtesten Methoden, um Kräuter haltbar zu machen. Dabei bleiben viele Inhaltsstoffe erhalten, insbesondere bei schonender Trocknung im Schatten und bei guter Belüftung.

  • Kräuter wie Schafgarbe, Gundermann oder Minze werden zu kleinen Bündeln zusammengefasst.
  • Diese werden kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort aufgehängt – z. B. auf dem Dachboden oder in einem trockenen Raum.
  • Nach etwa 7–14 Tagen sind die Pflanzenteile trocken und können zerkleinert in dunklen, luftdicht verschlossenen Gläsern aufbewahrt werden.

Einlegen in Öl – Für Würze und Pflegeprodukte

Einlegen in Öl ist besonders geeignet für aromatische Kräuter mit fettlöslichen Inhaltsstoffen:

  • Geeignet sind Blätter von Dost, Thymian, Rosmarin oder Salbei.
  • Die (leicht angetrockneten) Kräuter werden mit hochwertigem Öl (z. B. Olivenöl) übergossen.
  • Das Gefäß verschlossen an einem warmen Ort 2–3 Wochen ziehen lassen, anschließend abseihen.
  • Ideal zur Verwendung in der Küche oder als Grundlage für Salben.

Tinkturen – Heilpflanzen in konzentrierter Form

Tinkturen sind alkoholische Auszüge aus Pflanzen und zeichnen sich durch lange Haltbarkeit und hohe Wirkstoffkonzentration aus:

  • Besonders geeignet: Wurzeln von Baldrian, Wegwarte oder Löwenzahn.
  • Pflanzenteile zerkleinern und mit mindestens 40 % Alkohol (z. B. Wodka) übergießen.
  • 2–4 Wochen dunkel lagern und täglich schütteln. Danach abseihen und in Braunglasflaschen aufbewahren.
  • Anwendung erfolgt tropfenweise – je nach Pflanze z. B. zur Beruhigung, Verdauungsförderung oder Immunstärkung.

Teemischungen – Für kalte Tage und innere Balance

Kräutertees lassen sich gut bevorraten und individuell mischen. So kannst du gezielt auf jahreszeitliche Bedürfnisse reagieren.

Beispiel für eine beruhigende Herbst-Teemischung:

  • 2 Teile Schafgarbe (für Magen und Verdauung)
  • 2 Teile Minze (erfrischend und entkrampfend)
  • 1 Teil Lavendel (beruhigend und schlaffördernd)

Ein Teelöffel pro Tasse, 8–10 Minuten ziehen lassen – ideal für den Abend oder ruhige Momente im Herbst.

Was du besser sein lässt – Achtsamkeit und Verantwortung

Beim Sammeln von Wildkräutern ist nicht nur das Wissen über Pflanzenbestimmung und Verarbeitung entscheidend, sondern auch die Verantwortung gegenüber Natur, Mensch und Tier. Nicht alles, was grün aussieht, ist essbar oder gesund – und nicht jede Pflanze darf bedenkenlos geerntet werden.

Einige Wildpflanzen stehen unter Naturschutz, weil ihre Bestände gefährdet sind. Andere ähneln in Aussehen und Standort stark giftigen Doppelgängern. Fehlerhafte Bestimmung kann im schlimmsten Fall zu gesundheitlichen Schäden führen. Zudem können rücksichtslose Sammelpraktiken langfristig ganze Pflanzenbestände gefährden oder Lebensräume empfindlich stören.

Damit dein Sammeln im Einklang mit der Natur steht, beachte folgende Grundsätze:

  • Sammle nur, was du eindeutig bestimmen kannst: Verlasse dich nicht auf Vermutungen – nutze Bestimmungsbücher oder Apps. Im Zweifelsfall gilt: lieber stehen lassen.
  • Ernte nie ganze Bestände: Lasse immer einen Teil der Pflanzen unangetastet, damit sie sich regenerieren und vermehren können.
  • Vermeide geschützte Gebiete und bedrohte Pflanzenarten: Informiere dich über lokale Regeln. In vielen Naturschutzgebieten ist das Sammeln untersagt.
  • Schütze Lebensräume: Trample keine Wiesen nieder, halte Abstand zu Wildtieren, hinterlasse keine Spuren.
  • Höre auf dein Bauchgefühl: Wenn sich ein Ort unruhig, gestört oder „falsch“ anfühlt – verzichte aufs Sammeln. Intuition ist ein wichtiges Werkzeug für naturverbundenes Handeln.

Verantwortungsvolles Wildkräutersammeln bedeutet, achtsam und rücksichtsvoll zu handeln. Es ist ein bewusster Beitrag zum Erhalt der heimischen Flora – und zu einem harmonischen Miteinander von Mensch und Natur.

Fazit: Kräutersammeln im Herbst

Das Sammeln von Wildkräutern im Herbst ist eine Möglichkeit, sich mit frischen Zutaten oder Heilpflanzen zu versorgen. Diese Tätigkeit fördert nicht nur Wissen über Pflanzen, sondern auch Achtsamkeit im Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Die Natur bietet im Herbst eine Vielzahl wertvoller Kräuter, die bei richtiger Ernte und schonender Verarbeitung über den Winter hinaus nutzbar sind – sei es in der Küche, in der Hausapotheke oder als Grundlage für eigene Vorräte. Gleichzeitig erfordert das Sammeln Verantwortung: Die Kenntnis über geschützte Arten, das Vermeiden von Übernutzung und die Wahl unbelasteter Standorte sind essenzielle Voraussetzungen.

Wer diesen Weg mit Sachkenntnis und Respekt geht, erlebt das Kräutersammeln nicht nur als praktische Tätigkeit, sondern als persönliche Bereicherung und als Möglichkeit, die eigene Rolle im ökologischen Gefüge besser zu verstehen.