Vögel im Winter richtig füttern – Mit Anleitung für deine eigene Futterstation
Wenn der Boden gefriert und morgens Eiskristalle auf den Fensterscheiben tanzen, beginnt für unsere heimischen Vögel eine herausfordernde Zeit. Viele Arten, wie die Schwalbe oder der Mauersegler, haben sich längst auf den Weg in den sonnigen Süden gemacht. Doch Amsel, Meise, Spatz & Co. bleiben hier – und brauchen jetzt unsere Hilfe. Denn das Nahrungsangebot wird knapp. Insekten verkriechen sich, Beeren sind rar und gefrorene Erde macht die Jagd auf Würmer unmöglich.
In diesem Beitrag geht es darum, wie du mit einfachen Mitteln eine Futterstation selbst bauen kannst, welche Leckereien unsere Wintervögel besonders lieben und worauf du beim Füttern unbedingt achten solltest. Ein kleiner Einsatz mit großer Wirkung – denn was gibt es Schöneres, als mit der Familie dem emsigen Treiben am Futterplatz zuzusehen, während drinnen die Teekanne dampft?
Wer bleibt hier? Unsere Wintervögel im Porträt
Nicht alle Vögel kehren Deutschland im Winter den Rücken. Einige Arten trotzen dem Frost, als gehörten Schnee und Stille fest zu ihrem Jahreslauf. Diese Standvögel verzichten bewusst auf die weite Reise in den Süden. Hier stellen wir dir einige der bekanntesten Wintervögel vor, die du vielleicht schon bald in deinem Garten oder auf deinem Balkon begrüßen darfst:
Amsel
Die Amsel ist ein echter Alltagsstar. Das schwarze Gefieder der Männchen und der leuchtend gelbe Schnabel machen sie unverkennbar. Weibchen sind eher braun gefärbt, aber ebenso elegant. Besonders in der Dämmerung ertönt oft ihr melodischer Gesang. Amseln sind Weichfutterfresser und lieben Rosinen, Apfelstücke, getrocknete Beeren oder Haferflocken. Im Winter picken sie gerne am Boden oder direkt am Rand von Futterstellen.
Blaumeise
Klein, bunt und frech – die Blaumeise bringt Farbe in graue Wintertage. Ihr blauer Scheitel und die weiße Gesichtsmaske sind charakteristisch. Sie ist sehr geschickt und kann sogar hängend Futter aus schwierigen Winkeln holen. Besonders mag sie Nüsse, Sonnenblumenkerne und Fettfutter.
Buchfink
Mit seinem markanten Ruf „pink-pink“ und dem schön gezeichneten Gefieder ist der Buchfink ein echter Hingucker. Männchen tragen im Frühjahr ein rostrot-blaues Federkleid, das im Winter etwas matter erscheint. Er frisst gerne Bucheckern, Hanfsamen und Sonnenblumenkerne. Am Boden auf Futtersuche ist er oft in kleinen Gruppen unterwegs.
Kohlmeise
Die größte und am weitesten verbreitete Meise Europas ist mit ihrem markanten schwarzen Kopf, der gelben Brust und dem dunklen Bauchstreifen kaum zu verwechseln. Sie ist neugierig und gehört zu den ersten Vögeln, die neue Futterstellen erkunden. Ihr Lieblingssnack: Sonnenblumenkerne in jeder Form, aber auch gehackte Nüsse stehen hoch im Kurs.
Rotkehlchen
Ein Liebling vieler Naturfreunde. Mit seinem orangefarbenen Brustgefieder und dem aufrechten Stand wirkt das Rotkehlchen fast ein wenig stolz. Es ist meist allein unterwegs und bevorzugt bodennahe Futterplätze, wo es ungestört picken kann. Es frisst gern Rosinen, Getreideflocken und gehackte Nüsse.
Spatz / Haussperling
Der Spatz ist ein echter Klassiker unter den Gartenvögeln. Lebhaft, kommunikativ und fast immer in Gesellschaft. Als Allesfresser nimmt er, was er kriegen kann – am liebsten Fettfutter, Rosinen und Haferflocken. Besonders schön zu beobachten, wenn eine ganze Spatzenschar das Vogelhaus belagert.
Diese und viele weitere Arten lassen sich mit ein wenig Geduld direkt vom Fenster aus entdecken. Vorausgesetzt, du lädst sie ein – mit einem naturnahen Futterplatz, der leckeres Essen bietet.

Was kommt ins Vogelbuffet? Gutes Futter für kalte Tage
Wenn die Temperaturen fallen und der Garten in Winterruhe geht, wird das Nahrungsangebot für Vögel zur echten Herausforderung. Frost, Schnee und vereiste Böden machen es schwer, natürliche Nahrung wie Insekten, Würmer oder Beeren zu finden. Umso wichtiger ist es, dass wir Menschen durch passende Futterangebote aushelfen. Doch nicht alles, was auf den ersten Blick geeignet scheint, ist auch wirklich gesund für unsere gefiederten Freunde. Hier eine ausführliche Orientierungshilfe:
Geeignetes Futter:
- Sonnenblumenkerne: Der absolute Klassiker. Schwarze, ungeschälte Kerne enthalten viel Energie und werden von nahezu allen Arten gerne angenommen. Geschälte Kerne haben den Vorteil, dass sie keinen Schalenmüll hinterlassen.
- Gehackte Nüsse wie Hasel-, Walnüsse: Ungesalzen und naturbelassen sind sie eine wahre Fettquelle. Besonders beliebt bei Meisen, Kleibern und Spechten. Wichtig: Immer zerkleinert anbieten, damit auch kleinere Arten sie gut fressen können.
- Haferflocken: Ein preiswerter Allrounder, den viele Weichfutterfresser wie Amseln oder Rotkehlchen zu schätzen wissen. Am besten mit ein wenig Fett z. B. Kokosfett vermengt anbieten, damit sie nicht austrocknen.
- Rosinen und getrocknete Beeren: Sie liefern natürlichen Fruchtzucker und werden vor allem von Amseln, Drosseln und Rotkehlchen gerne gepickt. Bitte ungeschwefelt und ungesüßt verwenden.
- Apfelstücke: Eine frische Vitaminquelle für Vögel. Einfach in mundgerechte Stücke schneiden und am Boden oder in einer flachen Schale anbieten. Besonders bei frostfreiem Wetter beliebt.
- Fettfutter: Selbst gemischte oder gekaufte Mischungen aus Pflanzenfett und Sämereien sind wahre Energiebomben. Sie helfen, den hohen Energiebedarf an kalten Tagen zu decken.
- Hanfsamen und Mohn: Kleine Ölsaaten, die reich an Nährstoffen sind und vor allem bei Finkenarten gut ankommen. Auch Meisen picken gerne davon.
Nicht geeignetes Futter:
- Gesalzene, gewürzte oder gesüßte Speisen: Sie schaden dem empfindlichen Vogeldarm und können sogar giftig sein.
- Brot: Häufig irrtümlich angeboten, ist Brot für Vögel ungeeignet. Es quillt im Magen auf, liefert kaum Nährstoffe und kann bei Frost schnell gefrieren.
- Milchprodukte: Vögel vertragen keine Laktose. Joghurt, Käse oder Milch verursachen Durchfall und Schwächung.
- Gekochte Essensreste: Diese enthalten oft Salz, Fett und Gewürze – alles andere als natürlich und bekömmlich für Wildvögel.
Tipp:
Du musst nicht zwingend auf teures Fertigfutter zurückgreifen. Viele der genannten Zutaten findest du in deiner eigenen Küche oder kannst sie in der Natur sammeln. Wer gerne bastelt, kann eigene Fettblöcke oder Futterglocken herstellen. Wie das geht, zeige ich dir im nächsten Abschnitt.

DIY-Anleitung für eine Futterstation
Ein bisschen basteln, ein bisschen rühren – und fertig ist deine eigene Futterstation, die nicht nur Vögel glücklich macht, sondern auch noch richtig gut aussieht.
Material:
- 100 g festes Pflanzenfett z. B. Kokosfett
- 100 g Vogelfutter z. B. Sonnenblumenkerne, Haferflocken, gehackte Nüsse
- Einen kleinen Blumentopf mit Loch
- Alternativ in Scheiben geschnittene Kartonrollen oder Backförmchen aus Silikon
- Eine Schnur
- Einen kurzen Ast oder Schaschlikspieß
- Kochtopf und Kochlöffel
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Fett schmelzen: Erwärme das Pflanzenfett im Topf, bis es flüssig ist. Dann nimm es vom Herd.
- Futter einrühren: Gib die trockenen Zutaten ins Fett und rühre alles gut durch.
- Abkühlen lassen: Lass die Masse stehen, bis sie leicht andickt, aber noch formbar ist.
- Ast einfügen: Fädle ein Stück Schnur durch das Loch im Blumentopf und befestige innen den Ast quer – das wird die Sitzstange. Wenn du Muffinförmchen verwendest, lege die Schnur in die Mitte der Form.
- Masse einfüllen: Fülle die Futtermasse in den Topf oder die Muffinförmchen und drücke sie fest. Ab in den Kühlschrank!
- Aufhängen: Wenn alles hart ist, kannst du deine Futterstation an einem geschützten Ort aufhängen.
Tipp: Du kannst den Blumentopf bemalen oder mit Naturmaterialien verzieren. Achte darauf, dass die Station nicht in der prallen Sonne hängt – sonst schmilzt das Fett.
Wo soll die Futterstelle hin?
Eine gut platzierte Futterstelle entscheidet oft darüber, ob sie gerne besucht wird oder unentdeckt bleibt. Damit deine gefiederten Gäste sich sicher fühlen und in Ruhe schmausen können, solltest du bei der Standortwahl einige wichtige Punkte beachten:
- Trocken und windgeschützt: Futter, das nass wird, kann schnell schimmeln oder einfrieren. Wähle daher einen geschützten Ort – z. B. unter einem Dachvorsprung, an einer wetterabgewandten Balkonseite oder unter einem Baum mit dichter Krone. So bleibt das Futter appetitlich und verwertbar.
- Sicher vor Katzen und Fressfeinden: Katzen sind geschickte Jäger, die sich gerne an Futterstellen anschleichen. Platziere deine Station daher mindestens 1,5 Meter über dem Boden und mit ausreichendem Abstand zu Zäunen, Sträuchern oder Mauern, von denen aus Katzen springen könnten.
- Gut einsehbar: Nicht nur für dich zum Beobachten, sondern auch für die Vögel selbst ist ein übersichtlicher Platz wichtig. So können sie Gefahren schneller erkennen. Ideal ist ein Ort, den du von deinem Fenster oder deiner Terrasse gut im Blick hast – für entspannte Naturmomente ganz ohne Fernglas.
- Balkonfreundlich und stadtgeeignet: Auch in städtischen Gebieten kannst du Vögel füttern. Ein kleiner Futterspender am Geländer, ein hängender Tontopf oder eine Futterschale auf dem Fensterbrett können wahre Wunder wirken. Stadtvögel wie Spatzen, Meisen oder Rotkehlchen sind an menschliche Nähe gewöhnt und freuen sich über eine sichere Mahlzeit.
Reinigung nicht vergessen
Eine Futterstelle ist kein Schnellimbiss, sondern eher ein kleines Bistro mit Stammkundschaft. Umso wichtiger ist es, sie sauber zu halten. Entferne altes oder verschimmeltes Futter täglich, reinige Behälter regelmäßig mit warmem Wasser und wechsle das Futter bei feuchtem Wetter häufig. So vermeidest du die Ausbreitung von Krankheitserregern und sorgst für gesunde Gäste.

Fazit: Gemeinsam Gutes tun
Eine selbstgemachte Futterstation ist weit mehr als nur ein winterliches Bastelprojekt. Sie ist ein liebevoller Beitrag zum Artenschutz – und gleichzeitig eine wunderbare Gelegenheit, mit Kindern die Natur hautnah zu erleben.
Gerade für die Kleinen wird das Beobachten von Vögeln schnell zu einem spannenden Abenteuer: Welche Arten kommen? Wie verhalten sie sich? Welches Futter mögen sie besonders gern? Spielerisch lernen Kinder, Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen – und das ganz ohne Bildschirm, dafür mit Fernglas und Forscherblick.
Gemeinsames Basteln, Futter mischen und tägliches Beobachten schaffen wertvolle Familienzeit und stärken die Verbindung zur Natur. Und wer weiß – vielleicht entsteht daraus eine lebenslange Liebe zur Vogelwelt.