Beitrag Ein Zuhause für den Winterschlaf – So baust du ein Igelhotel für deinen Garten

Ein Zuhause für den Winterschlaf – So baust du ein Igelhotel für deinen Garten

Wenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen sinken und die Vegetation sich zurückzieht, beginnt für viele heimische Wildtiere eine anspruchsvolle Phase. Igel gehören zu den Arten, die für den Überwinterungszeitraum auf geschützte Quartiere angewiesen sind. In strukturarmen oder stark gepflegten Gärten fehlen jedoch zunehmend natürliche Unterschlupfmöglichkeiten wie Laub- oder Reisighaufen. Durch den Bau eines Igelhotels kann diesem Mangel gezielt entgegengewirkt werden. Ein solches Schutzquartier bietet nicht nur einen sicheren Platz für den Winterschlaf, sondern unterstützt zugleich den Erhalt der lokalen Igelpopulation.

Warum Igel unsere Hilfe brauchen

Igel sind Einzelgänger und nachtaktive Insektenfresser. Sie durchstreifen vor allem in der Dämmerung Gärten, Wiesen und Waldränder auf der Suche nach Schnecken, Würmern und Käfern. Im Herbst beginnt für sie eine besonders intensive Phase: Sie müssen sich Fettreserven anfressen, um den langen Winterschlaf zu überstehen.

Der Winterschlaf ist für Igel lebensnotwendig. Von etwa Oktober bis März ziehen sie sich in geschützte Verstecke zurück, senken ihre Körpertemperatur drastisch ab und fahren ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunter. In dieser Zeit sind sie extrem empfindlich gegen Störungen und Umwelteinflüsse. Fehlt ein sicherer Schlafplatz, droht ihnen der Tod durch Kälte, Nässe oder Fressfeinde wie Katzen oder Marder.

Doch viele Gärten sind aufgeräumt, Laubhaufen verschwinden mit dem letzten Rasenschnitt und Unterschlupfmöglichkeiten wie Totholz oder Wurzelhöhlen sind rar geworden. Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir aktiv werden und den Igeln helfen – mit naturnahen Strukturen und sicheren Winterquartieren wie einem selbstgebauten Igelhotel.

Materialien: Das brauchst du für dein Igelhotel

Ein Igelhotel zu bauen ist kein Hexenwerk. Mit einfachen Mitteln kannst du einen sicheren und langlebigen Unterschlupf schaffen. Folgende Materialien werden benötigt:

  • Holzplatten ca. 2 cm dick
  • Säge
  • Schleifpapier
  • Bohrer und Schrauben
  • Zwei Winkel zur Befestigung
  • Scharnier für das Dach
  • Heu oder trockenes Laub
  • Optional: Dachpappe oder umweltfreundliche Holzlasur
  • Optional: schadstofffreie Farben zum Bemalen

Schritt für Schritt: So entsteht dein Igelhotel

1. Vorbereitung der Holzteile

Zeichne dir zunächst die Formen auf den Holzplatten vor:

  • Rückwand: 40 cm breit, 26 cm hoch
  • Vorderseite: 30 cm breit, 24 cm hoch, mit einem Einschnitt von 10 x 10 cm als Eingang
  • Seitenteile (2x): 30 cm breit, 24 cm hoch (eine Seite abgeschrägt für das Dach)
  • Zwischenwand: 17 cm breit, 23 cm hoch
  • Dach: 49 cm lang, 36 cm breit

2. Zuschneiden und Schleifen

Säge alle Teile sorgfältig aus. Schleife danach alle Kanten ab, damit sich weder Igel noch du selbst dich daran verletzen könnt.

3. Zusammenbauen

  • Verschraube die Rückwand mit den beiden Seitenteilen.
  • Befestige dann die Vorderwand mit dem Einschlupfloch.
  • Die Zwischenwand wird mit zwei Winkeln innen befestigt. Sie sorgt dafür, dass der Igel vor Zugluft und neugierigen Katzen geschützt ist.

4. Dach montieren

  • Optional: Bestreiche das Dach mit Holzlasur oder bedecke es mit Dachpappe.
  • Befestige das Dach mit einem Scharnier an der Rückwand. So lässt es sich im Frühjahr zur Reinigung leicht öffnen.

5. Innenleben und Standort

  • Lege die Schlafkammer mit trockenem Laub und Heu aus.
  • Stelle das Igelhaus an einen geschützten, schattigen Platz – am besten unter einer Hecke oder zwischen Sträuchern.
  • Achte darauf, dass der Eingang windgeschützt liegt und nicht direkt Richtung Norden zeigt.

Tipp: Lege einen zusätzlichen Laubhaufen neben das Hotel. Das bietet nicht nur weiteres Material zum Nestbau, sondern zieht auch Insekten an, die als Nahrung dienen.

Wie erkennst du, ob ein Igel eingezogen ist?

Igel sind ausgesprochen scheue und nachtaktive Tiere, die sich tagsüber gut verstecken. Auch in einem Igelhotel machen sie sich kaum bemerkbar. Dennoch gibt es einige Anzeichen, an denen du erkennen kannst, ob dein Quartier angenommen wurde:

  • Aufgewühltes Laub oder Heu rund um den Eingang: Igel schieben oft Material vor oder in den Eingang ihres Schlafplatzes, um sich zu tarnen und vor Kälte zu schützen.
  • Fußspuren im feuchten Boden: Ihre typischen fünfzehigen Spuren lassen sich besonders gut auf weichem Untergrund oder in der Nähe von Wasserstellen entdecken.
  • Kotspuren: Der Kot von Igeln ist meist wurstförmig, etwa 1–2 cm dick und bis zu 5 cm lang. Er kann in der Nähe des Eingangs oder auf Laufwegen zu finden sein.
  • Raschel- oder Scharrgeräusche in der Dämmerung oder nachts: Diese sind nur außerhalb des Winterschlafs zu hören, wenn der Igel aktiv ist und sein Quartier verlässt oder wieder aufsucht.

Wichtig: Während des Winterschlafs, etwa von Oktober bis März, sollte das Igelhotel auf keinen Fall geöffnet oder bewegt werden. Eine Störung könnte den Igel aufwecken und seine Überlebenschancen drastisch verringern, da er unnötig Energie verbraucht, die er zum Überwintern dringend benötigt.

Beobachte daher stets mit Abstand und Respekt – so leistest du den besten Beitrag zum Schutz deines stacheligen Untermieters.

So wird dein Garten zum Igelparadies

Ein Igelhotel ist ein wichtiger erster Schritt, um Igel im eigenen Garten zu unterstützen. Doch darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, die den Lebensraum für diese Tiere nicht nur sicherer, sondern auch attraktiver machen. Bereits mit kleinen Veränderungen kannst du deinen Garten in ein echtes Igelparadies verwandeln:

  • Verzicht auf Laubsauger und chemische Mittel: Laubsauger zerstören nicht nur die Lebensräume vieler Insekten, sondern können auch schlafende Igel gefährden. Pestizide und Kunstdünger stören das natürliche Gleichgewicht und entziehen dem Igel die Nahrungsgrundlage. Setze stattdessen auf natürliche Gartenpflege und Kompostierung.
  • Laubhaufen, Totholzecken und Komposthaufen schaffen: Solche naturnahen Strukturen bieten ideale Verstecke für den Tag oder als Winterschlafquartier. Auch andere Tiere wie Kröten, Insekten oder Spitzmäuse profitieren davon und tragen zur biologischen Vielfalt bei.
  • Zugänglichkeit schaffen: Wenn dein Garten eingezäunt ist, solltest du an einer oder mehreren Stellen eine sogenannte "Igelpforte" von mindestens 10 x 10 cm einplanen. Nur so können Igel auf ihren Nachtwanderungen ungehindert passieren und neue Lebensräume erschließen.
  • Wasser anbieten: Gerade in trockenen Sommermonaten ist frisches Wasser überlebenswichtig. Flache Schalen mit Wasser an geschützten Stellen helfen nicht nur Igeln, sondern auch Vögeln und Insekten. Achtung: Igel vertragen keine Milch – sie verursacht schwere Verdauungsprobleme!
  • Pflanzenvielfalt fördern: Setze auf heimische Stauden, Wildblumen und naturnahe Hecken. Sie bieten Insekten Nahrung und Lebensraum – und damit auch dem Igel eine reiche Nahrungsquelle. Wilde Ecken im Garten müssen nicht ungepflegt wirken, sondern können gezielt gestaltet und trotzdem ökologisch wertvoll sein.

Ein naturfreundlicher Garten ist mehr als ein Rasen und ein Beet. Er ist ein Ort des Lebens und der Vielfalt – für dich und für viele kleine Mitbewohner.

Ein Projekt für die ganze Familie

Ein Igelhotel zu bauen ist nicht nur ein Akt des Naturschutzes, sondern auch eine wunderbare Möglichkeit, mit Kindern die Tierwelt vor der eigenen Haustür kennenzulernen. Beim Sägen, Schleifen und Schrauben entsteht nicht nur ein Quartier für einen Igel, sondern auch ein Bewusstsein für Verantwortung und Mitgefühl.

Lass die Kinder das Häuschen bemalen, erzähle ihnen von den Abenteuern eines Igels im Herbst oder lies gemeinsam ein passendes Kinderbuch dazu. So wird das Projekt zum Erlebnis, das länger wirkt als nur einen Nachmittag.

Fazit: Kleine Tat, große Wirkung

Der Rückgang natürlicher Lebensräume betrifft auch Tiere, die früher selbstverständlich Teil unseres Gartens waren. Igel zählen zu diesen bedrohten Wildtieren, für die bereits kleine Schutzmaßnahmen eine große Wirkung haben können. Ein selbstgebautes Igelhotel ist nicht nur ein praktischer Beitrag zum Artenschutz, sondern auch ein sichtbares Zeichen für Umweltbewusstsein und Verantwortung im eigenen Lebensumfeld.

Wer naturnahe Strukturen schafft, auf chemische Gartenpflege verzichtet und den Tieren Rückzugsorte bietet, trägt aktiv zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bei. Jeder Beitrag zählt – und beginnt oft mit einem einfachen Projekt aus Holz, Schrauben und etwas Engagement.

Nutze die Gelegenheit, Wissen in die Tat umzusetzen. Beobachte, wie aus einem Holzhaus ein Zuhause wird. Und vielleicht ist der nächste stachelige Mieter schon unterwegs.