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Emotionales Essen

Das schönste emotionale Essen ist der Geburtstagskuchen auf einem Kindergeburtstag. Voller Euphorie genießt das Geburtstagskind seinen Kuchen, gemeinsam mit Freunden und Familie. Glücksgefühle und Vorfreude auf einen tollen Tag und schöne Geschenke werden mit dem Kuchen verbunden. Er gehört an diesem Tag dazu. Und die Portion ist dabei oft nicht entscheidend. Aber was ist mit der Tafel Schokolade, die man heimlich und im Eiltempo nachmittags nach der Arbeit, oder abends vor dem Fernseher vernascht? Und auf die immer ein schlechtes Gewissen folgt.

Im Alltag geht es oft um das Essen.„Als erstes dient es zur Energieaufnahme, um Körperfunktionen aufrecht zu erhalten.Der Körper meldet das Gefühl Hunger, und wir essen“, so Bianka Häußler, Diätassistentin in der Verbraucherberatung Korbach.

Essen dient auch als Ersatzbefriedigung, bei Gefühlen wie Einsamkeit, Traurigkeit, Ängstlichkeit oder Langeweile. Das Gespür für wirklichen Hunger geht verloren, es wird über das Sättigungsgefühl hinaus gegessen. Stress ist ebenso ein Auslöser dafür.

Das Prinzip, in solchen Situationen zu essen, war im Verlauf der Evolution lebensnotwendig. Der Mensch musste in der Lage sein, mit dem Feind zu kämpfen oder zu flüchten. Heute haben wir häufiger kleinere Stresssituationen, diese sind aber über den Tag verteilt und senden trotzdem dieselbe Botschaft aus. Somit verbraucht über den Tag gesehen jede Art von Stress 90 Prozent des täglichen Glucosebedarfs. Bei anhaltender seelischer Anspannung gelangt weniger Glucose zum Gehirn. Deshalb sendet der Körper die Botschaft aus, nachzuliefern. Es herrscht aber kein Mangel, und ein Überangebot an Nährstoffen hat zur Folge, dass diese im Fett-und Muskelgewebe eingelagert werden. Dies führt oft zu Übergewicht.

Schon in der Kindheit werden die Verknüpfungen von Emotionen und Essen angelegt. Ein paar Gummibärchen bei einer Schürfwunde sollen helfen, den Schmerz zu vergessen so Häußler. Oft dienen sie auch als Ersatz für Aufmerksamkeit. Süßes und Deftiges werden bevorzugt, da sie im Mund einen konzentrierten Geschmack liefern. Das flaue Gefühl im Magen wird überdeckt. Süßes galt bei unseren Vorfahren dazu auch noch als ungefährlich. Es werden Substanzen im Körper gebildet, die unser Gehirn stimulieren, weswegen auch eine Suchtgefahr für Süßes diskutiert wird. Bitteres steht eher für giftiges. Salz hingegen wird wieder als positiv empfunden. 

Wie kann ich dem entgegenwirken?

Sich selbst öfter beim Essen beobachten, so Häußler, kann helfen. Welche Gewohnheiten habe ich? Bin ich ein schneller Esser, oder genieße ich mein Essen? Welche Routine ist mir wichtig, was ist mit der Qualität des Essens?

Da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, lassen sich manche Angewohnheiten nur schwer beziehungsweise nur langsam umstellen. Ein kleiner Schritt kann schon sein, bewusst und langsam zu essen. Auch Extras zu genießen. Und zu hinterfragen, warum man isst. Dabei spricht man von unterschiedlichen Hungerarten.

Es gibt den Magenhunger, dem man vorbeugen kann, indem man sich mit ausreichend Flüssigkeit und gutem Essen versorgt. Beim Augen- und Nasenhunger hilft es oft, sich aus der Umgebung zu entfernen oder Versuchungen an einen anderen Ort zu verbannen. Heißhunger oder auch Herzenshunger sollte auf die Spur gegangen werden. Dahinter stehen oft andere Probleme oder Belohnungsstrategien, mit denen man sich auseinandersetzen sollte. Ist dies nicht immer möglich, so helfen kurzfristig kleine Ablenkungen. Aufräumen, ein Buch lesen, basteln, telefonieren, spazieren gehen, Sport treiben sind zum Beispiel einige Möglichkeiten dafür. Andere Belohnungen finden, statt zu essen wäre sinnvoll, Z.B. ein Buch lesen oder Hörbuch hören, ein Saunabesuch, Yoga oder eine Massage.

Diese Ablenkungen sollten ganz individuell sein und schriftlich fixiert werden, sodass man seinen Notfallplan schnell zur Hand hat, empfiehlt Bianka Häußler. Alternative Lebensmittel dürfen auch auf diese Liste.

Die Frage nach dem „Warum möchte ich das jetzt essen, und ist dies die Lösung meines Problems“, kann darüber hinaus weiterhelfen.

Voraussetzung für die Reduktion emotionalen Essens sollte eine ausgewogene und bedarfsdeckende, gesunde Lebens- und Ernährungsweise sein.

Weitere Informationen erhalten Sie bei den Verbraucherberatungsstellen des DHB-Netzwerk Haushalt.

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